
- Everworld - Im Angesicht des Bösen - Scholastic
Bekannt durch die weltweit erfolgreiche Kinderbuch-Reihe "Animorphs" sowie die Serie "Boyz 'n' Girls", die auf ein etwas älteres Publikum abzielt, hat diese vielseitige Autorin von Kinder- und Jugendliteratur noch weit mehr zu bieten als man ahnt. Sie springt vom Fantasy- ins Science-Fiction-Genre, macht Zwischenstopps in der Mädchenliteratur und schüttelt hin und wieder auch mal einen Roman aus dem Ärmel. Dass Katherine A. Applegate dabei stets richtig gute Geschichten produziert, für das Zielpublikum gut verständlich und doch anspruchsvoll geschrieben, muss man Fans nicht mehr erklären.
Ihre Serie Everworld hat zwar nie so richtig Fuß gefasst und wurde daher auch nach bereits 12 Bänden eingestellt, ist aber eine übersehene Perle der Jugendliteratur, die man auch als Erwachsener noch lesen und genießen kann.
Everworld - Die Suche beginnt
David Levin ist relativ neu an der High School nördlich von Chicago und hat es gleich geschafft, die begehrte und geheimnisvolle Senna zur Freundin zu bekommen. Dass deren Ex-Freund Christopher darüber nicht begeistert ist, kann man sich vorstellen. Davids Geschichte beginnt mit einer Schlägerei, in der er eine blutige Nase und große Verwirrung davonträgt.
Am nächsten Morgen fühlt er sich seltsam zum Lake Michigan hingezogen - wo er nicht nur Senna auf dem Steg sitzen sieht, sondern auch Christopher, Sennas Halbschwester April und Jalil, der ebenfalls auf ihre Schule geht. Und dann beginnt das Chaos.
Die Welt stülpt sich von innen nach außen, steht Kopf und David weiß nicht mehr was los ist. Als er schließlich die Augen wieder öffnet, hängt er an den Handgelenken von einer Burgmauer - ebenso wie Christopher, April und Jalil.
Schon nach kurzer Zeit erkennen die vier, dass sie in eine Art Paralleluniversum gerutscht sind, in dem die Götter echt sind und wahre Monster und Spukgeschichten Gestalt annehmen.
Mythologie trifft auf Action
Katherine Applegate mischt in diesen Büchern geschickt mythologische Gestalten mit vier Teenagern aus der Gegenwart und erschafft somit eine eigenwillige, aber gut funktionierende Mischung, in die ihr Humor ganz ausgezeichnet passt. Seien es Konfrontationen mit Wildschweinen, die unsere Teenager zu fangen und essen gedenken, denen sie dann - aufgrund von vokalen Drohungen selbiger Wildschweine - ihre letzten Äpfel aushändigen, oder Christophers ständige und manchmal unter der Gürtellinie liegende Kommentare, man kommt aus dem Schmunzeln nur selten raus.
Auch das Treffen auf Götter diverser Mythologien fällt stets Schrecken erregend und/oder komisch aus.
So ist diese Serie wohl am ehesten für Jugendliche zwischen 12 und 17 gedacht, die daraus - man glaubt es kaum - tatsächlich vieles über Mythologie und Wissenschaft lernen können. Den Wissensvorsprung, den David, Christopher, Jalil und April in die vor 1000 Jahren stehengebliebene Everworld mitbringen, verschafft ihnen nämlich einen gewaltigen Vorsprung, wenn es darum geht, Armeen zu führen, Elektrizität zu erzeugen oder schlicht und einfach strategisch zu denken.
Eine durchwegs empfehlenswerte Fantasy-Serie mit 12 Büchern à 200 Seiten, die zwar schnell gelesen, aber lange nicht vergessen ist und für die Katherine A. Applegate mindestens genauso viel Ruhm zusteht wie für ihre Animorphs-Bücher.
Einziger Wehrmutstropfen: Es wurden nur die ersten 9 Bände auf Deutsch übersetzt, die letzten 3 der Serie gibt's nur auf Englisch. Aber das ist vielleicht eine Anregung für junge Leute, zum Original zu greifen und dadurch gleich das Schul-Englisch zu verbessern (wie es die Autorin dazumals getan hat). Die Bücher sind auch auf Englisch leicht verständlich geschrieben und gut für Schüler verständlich, vor allem, wenn man sich mit dem typischen "Everworld-Vokabular" schon ein wenig von den deutschen Bänden auskennt.
Genaueres gibt's es wie immer auch auf der offiziellen Homepage, allerdings nur auf Englisch.
Katherine A. Applegate: Everworld - Die Suche beginnt. c. Bertelsmann, 2000. Taschenbuch, 155 Seiten. Euro 9,95.
Katherine A. Applegate: Everworld - Search for Senna. Scholastic, 1999. Paperback, 189 Seiten. Euro 5,99
